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22.05.2018

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Bayernhymne nicht tagespolitisch überfrachten!

 

Sowohl die National-, als auch die Bayernhymne verfügen über eine dreistrophige Originalfassung

Sascha A. Roßmüller 

Der Ausschuss für Verfassung, Recht und Parlamentsfragen hatte sich unlängst mit einer Petition der ÖDP zu befassen, welche die Wiedereinführung der dritten Strophe der Bayernhymne anstrebt, allerdings mit verändertem Text zur Ursprungsfassung. Nach Ansicht der Initiatoren, wie dem ehemaligen ÖDP-Landesvorsitzenden Bernhard Suttner und dem Passauer Zweiten Bürgermeister sowie ÖDP-Bezirksrat Urban Mangold sei die beabsichtigte dritte Strophe der 1948 von Joseph Maria Lutz umgeschriebenen Fassung „gerade in der heutigen Zeit mit ihren starken nationalen Egoismen für eine wunderbare Ergänzung der Hymne.“ Die ÖDP bezeichnet sie gar als „eine Menschenrechtsstrophe und als einen Kontrast zum Slogan "Bayern first", weil sie den Blick öffne auf das Recht aller Menschen.“ Die Mitglieder des Verfassungsausschusses haben die Wiedereinführung der dritten Strophe nach der Lutz-Fassung nicht abgelehnt, sondern die ÖDP-Petition an die Staatsregierung verwiesen. Sie sei einer "filigranen Prüfung würdig", hieß es aus dem CSU-dominierten Ausschuss.

Der Originaltextes des Vaters der Bayernhymne, dem Münchner Pädagogen und Schriftsteller Michael Öchsner, stammt hingegen aus dem Jahr 1860. Vertont wurde diese vom Musikdirektor Konrad Max Kunz aus Schwandorf in der Oberpfalz. Die dritte Strophe war ursprünglich dem Königshaus gewidmet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde diese sogenannte "Königs-Strophe" ersatzlos gestrichen, was einer „demokratischen Säuberung“ der Weimarer Republik zuzuschreiben ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg dichtete Josef Maria Lutz dann nicht nur seine dritte Strophe, sondern manipulierte auch die beiden anderen Strophen, indem er in der ersten Strophe die "Deutsche Erde" durch "Heimaterde" ersetzte und in der zweiten Strophe "Deutschlands Bruderstämme" zugunsten der geografischen Standortbestimmung "vom Alpenland zum Maine" tilgte. Kultusbeamte machten noch den "Gegner" im zweiten Vers zu "ein jeder". Ministerpräsident Alfons Goppel bevorzugte seinerzeit die Lutz’sche Neufassung und empfahl diese für Staatsempfänge, Franz Josef Strauß hingegen sprach sich für die Formulierungen "Deutsche Erde" und "Bruderstämme" aus, die seit 1980 besungen werden. Allerdings werden bis heute offiziell in der Regel nur die beiden ersten Strophen gesungen, da die die dritte Strophe nicht gesetzlich festgelegt, sondern lediglich empfohlen wurde.

Auch die bayerischen Sozis begehrten schon einmal die Wiedereinführung einer dritten Strophe und reichten hierfür sogar einen Dringlichkeitsantrag im Bayerischen Landtag ein, wenngleich sich nicht erschließt, was in dieser ernstzunehmenden Identifikationsfrage so dringlich wäre, es im Hauruckverfahren durchpeitschen zu müssen. Die SPD forderte die Übernahme eines völlig neuen Textes aus einem Schülerwettbewerb, der die bayerische Eigenart textlich „hinwegglobalisieren“ sollte. "Gott mit uns und allen Völkern, ganz in Einheit tun wir kund: In der Vielfalt liegt die Zukunft, in Europas Staatenbund...“, wäre ein „zeitgemäßer Hymnentext“ nach dem Geschmack der Sozialdemokraten gewesen. Nur muss eine Hymne überhaupt „zeitgemäß“ sein oder nicht vielmehr eine zeitenüberdauernde und generationenübergreifende Klammer darstellen? Doch auch für die ÖDP hat alles Andere Priorität, nicht aber die bayerischen Landsleute. "Wer in der ersten Strophe Gottes Schutz für `seine Fluren`erbittet, der darf nicht die landwirtschaftliche Existenz der Menschen in Afrika durch aggressiv subventionierte Agrarexporte ruinieren", interpretiert Urban Mangold nicht über den tagespolitischen Tellerrand hinausgelangend.

Der Verfasser dieses Artikels formulierte bereits 2016, als die ÖDP erstmals mit ihrem Ansinnen in Sachen Bayernhymne an die Öffentlichkeit trat, in seiner Funktion als landespolitischer Sprecher der bayerischen Nationaldemokraten folgende Stellungnahme: „Man möge aufpassen, daß der identitätsstiftende Symbolcharakter einer Hymne nicht verloren geht, wenn man diese zu sehr tagespolitisch vergewaltigt. Ich persönlich ziehe hier die traditionelle Kontinuität vor, die auf ein gewachsenes gemeinsames Geschichtserleben Bezug nimmt. Aus diesem Grunde darf es nach meinem Geschmack auch in republikanischer Zeit die Originalfassung von Öchsner sein, die mit >>Gott mit ihm, dem Bayern-König<< beginnt und >>Gott mit dir, du Land der Bayern, Deutsche Heimat Weiß und Blau.<< endigt. Ich bleibe in dieser Sache kultureller Traditionalist, will heißen, daß für mich sowohl die Deutschland-, als auch die Bayernhymne jeweils über drei Strophen in der Originalfassung verfügen!

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