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02.05.2020

Lesezeit: etwa 8 Minuten

Vor 250 Jahren wurde Immanuel Kant Professor in Königsberg

Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es.

Sascha A. Roßmüller
Wer große Gedanken hegt, bedurfte wohl schon immer auch gewissen Mutes, diese zu äußern, und nicht erst in heutiger Zeit grassierenden „betreuten Denkens“. Nicht umsonst wird der Philosoph der Aufklärung Immanuel Kant formuliert haben: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Ein weiteres Kant-Zitat ist in seinem Gehalt nicht weniger zeitlos: „Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.“ So rebellisch dies klingt und so revolutionär Kant auch auf seinem Feld wirkte, so gleichmäßig und wenig spektakulär gestaltete sich sein Lebensweg, ganz ohne aufsehenerregende Skandale und besondere Extravaganzen. Die gerade in seinen späteren Jahren an den Tag gelegte Regelmäßigkeit der Lebensführung ermöglichte seiner im Grunde eher schwächlichen Physis ein bis ins hohe Alter nahezu krankheitsfreies Leben. Vor 250 Jahren, im Mai 1770, wurde der große Denker feierlich in sein Amt als ordentlicher Professor für Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg eingeführt.

Schollenverbundene Bodenständigkeit
Man verbindet den Namen Immanuel Kant zwangsläufig mit Königsberg, wo er am 22. April 1724 zur Welt kam und von 1732 bis 1740 auch das am Pietismus orientierte Collegium Fridericianum besuchte. An der Albertus-Universität in Königsberg, die später einmal seinen Namen tragen sollte, nahm er auch seine Studien auf, darunter Philosophie, klassische Naturwissenschaften, Physik und Mathematik. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1746 unterbrach er seine Studien und verdingte sich als Hauslehrer, erst 1754 nahm er diese wieder auf und veröffentlichte seine ersten Schriften. Er wirkte in unzähligen Fächern als Privatdozent. Er las in den Fächern Logik, Metaphysik, Anthropologie, Moralphilosophie, Natürliche Theologie, Mathematik, Physik, Mechanik, Geographie, Pädagogik und Naturrecht. Seine Vorlesungen sollen stets gut besucht gewesen sein. Sein Königsberg schien eine geradezu magnetisch-anziehende Kraft auf ihn auszuüben, schlug er doch stets Rufe an andere Universitäten aus. Aufgrund seiner schollenverbundenen Bodenständigkeit darf er durchaus als ein Repräsentant der Heimatverbundenheit gelten. Anders als viele kosmopolitische Intellektuelle heutiger Tage. In den letzten 15 Jahren seines Lebens hatte Kant sich immer wieder in Konflikten mit der preußischen Zensurbehörde, unter der Leitung des neuen Kulturministers Wöllner auseinanderzusetzen. Kant lehrte zwar dennoch bis 1796 weiter, war jedoch angehalten, sich Schriften mit religiösem Bezug zu enthalten, da seine Lehren nicht mit der Bibel vereinbar seien. Am 12. Februar 1804 schloss der große deutsche Philosoph für immer seine Augen – ebenfalls in Königsberg.

Kopernikanische Wende im Denken
Immanuel Kant wird mit seiner Begründung des kritischen Idealismus zu einem der einflussreichsten Philosophen und Denker der Neuzeit, der bis heute nachwirkt und nach ihm noch zahlreiche Größen in Philosophie und Literatur beeinflusste. Seine Erkenntniskritik war eine philosophische Zeitenwende. Erkenntnis ist nach Kant der ins Unendliche fortschreitende Prozess, dessen nie ganz erreichbares Ziel die völlige vernunftmäßige Durchdringung der Gegenstandswelt ist und damit die Ersetzung alles Subjektiven durch ein allgemeingültiges Objektives. Er vollzog die sogenannte „kopernikanischen Wende im Denken“, indem er feststellte, dass unsere Erkenntnis sich nicht nach den Gegenständen, sondern die Gegenstände nach der Form unserer Erkenntnisfähigkeit richten. In seinen berühmten drei Kritiken geht Kant im Wesentlichen den drei Grundfragen nach „Was können wir wissen?“, „Was sollen wir tun?“ und „Was dürfen wir hoffen?“. In der ersten dieser drei Kritiken - „Die Kritik der reinen Vernunft“ - deduziert Kant in der sogenannten transzendentalen Analytik, dass sinnliche Erkenntnis durch reine Begriffe (a priori), er nennt diese Kategorien, erzeugt wird, ohne die Empfindungen (a posteriori) nicht als Gegenstände der Erfahrung begriffen werden können. Kant verwirft die Möglichkeit einer rein intellektuellen Erkenntnis. Vorstellungen nicht erfahrbarer Gegenstände als Grenzbegriffe der Sinnlichkeit und der Erfahrung, bezeichnet er als Noumena (altgriechich: νοοÏð±´±μενον, Partizip Präsens Singular Neutrum von „denken“). Das Noumenon wird zu einem zentralen Begriff der postkritischen Philosophie. Man könnte es als eine erkenntnisunabhängige Gedankenentität bezeichnen.

Kategorischer Imperativ
Im zweiten Buch, der „Kritik der praktischen Vernunft“, stellt Kant fest, dass der Mensch in der Lage ist, in der Vernunft unabhängig von sinnlichen, auch triebhaften Einflüssen zu denken und zu entscheiden, demzufolge er zumindest darüber weiß, was er nach dem Gesetz der Sittlichkeit tun sollte. Die Vernunft legt uns Menschen nach Kant die Pflicht auf, der Sittlichkeit zu folgen. Das Kriterium der Sittlichkeit besteht dabei nicht im Erfolge oder Zwecke des Handelns, sondern in der Beschaffenheit der Gesinnung, des Willens selbst. In Kants „Kritik der Urteilskraft“ stoßen wir auf seinen berühmten Kategorischen Imperativ: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ Ein wesentlicher Aspekt dieses kategorischen Imperativs ist, dass er ohne Freiheit unmöglich ist, wobei Freiheit nach Kant nicht Willkür ist, sondern die Freiheit Gesetzen zu folgen, die sich die Vernunft selbst gegeben hat. Seine dritte Kritik, aufgeteilt in die Bereiche Ästhetik und Teleologie, verfolgt die Absicht, eine Vermittlung zwischen theoretischer und praktischer Vernunft herzustellen. Dazu bedarf es nach Kant der Urteilskraft, die das Besondere im Allgemeinen erkennt. Für die reflektierende Urteilskraft in ihrer Vermittlung zwischen Natur und Freiheit führt Kant den Begriff der Zweckmäßigkeit ein, dem die Annahme einer strukturierten und nicht chaotischen Natur zugrunde liegt. Kant unternahm die Versöhnung der menschlichen Doppelnatur von kausaler Naturnotwendigkeit und autonomer Willensbestimmung.

Das schöne hat seinen Zweck in sich selbst
Trotz des durch seine Vorfahren bedingten keltischen Blutes war Kant kein mystischer Schwarmgeist, allerdings auch bei weitem nicht so spröde, wie vielfach geglaubt. Immerhin kam er zu dem herrlichen Schluss, dass das Schöne seinen Zweck in sich selbst habe. Ab Kant begann eine philosophische Blüte in Deutschland, welche die philosophische Welt nach Deutschland blicken ließ wie vormals in das alte Griechenland. Die Philosophie Immanuel Kants mit der Entdeckung der erfahrungsunabhängigen Elemente für die Erkenntnistheorie stellt nicht nur einen intellektuellen Höhepunkt, sondern auch eine Umgestaltung der europäischen Aufklärung dar. Damals völlig unproblematisch, aber heute mit Sicherheit ein Skandal wäre hingegen Kants Vorlesung „Von den verschiedenen Rassen des Menschen“ im Jahr 1775, in der er hervorhob, dass zur Unterscheidung der Rassen nur „unausbleiblich anerbende“ und keine umweltlabilen Merkmale in Frage kämen. Mit seinen Kritiken, seinem philosophisch wohl größtem Werk, entriss der Königsberger Philosoph seine Zunft aus dem dogmatischen Schlummer. Betrachtet man Kants praktisches und moralisches Anliegen, wird ersichtlich, dass er weit mehr war, als „nur“ ein großer Erkenntnistheoretiker. Jedoch war Kant großer Kritik der Kirche ausgesetzt, weil er der Auffassung war, man könne mit der reinen Vernunft, mit dem Verstand allein, Gott nicht beweisen, weil Gott unsere Erkenntnisfähigkeit übersteigen würde.

Gott als Ergebnis praktischer Vernunft
Aber Kant sicherte dem Geheimnis Gott durchaus sein Recht, denn auch wenn Gott nicht zu beweisen sei, könne man an ihn glauben, da Gottesleugnung nicht weniger unsinnig sei. Man könne die Existenz Gottes auch nicht widerlegen. Gott sei als ein Ergebnis praktischer Vernunft zu betrachten. „Kant bewältigte die Krise des neuzeitlichen Denkens, die dadurch entstand, dass sich die Bindungen, die die geistige Welt des klassischen Mittelalters zusammengehalten hatten, plötzlich wie durch dunkles Verhängnis im öffentlichen Bewusstsein allenthalben lockerten und auflösten, ehe es den führenden Schichten des Abendlandes gelang, sie organisch zu erneuern“, schreibt Hans Joachim Störig in dem Buch „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“. Und der Kant-Experte Prof. Otfried Höffe schrieb über ihn so zutreffend: „Kant hat ein Verständnis der Aufklärungsideen entwickelt, das von einer naiven Aufklärung ebenso weit entfernt ist wie von einer gegenaufklärerischen Attitüde, nach der alles Bestehende gut und schön ist.“ Nachfolgend haben die Idealisten den schöpferischen Anteil des Denkens am Zustandekommen der Erfahrung dann nicht nur aufgegriffen, sondern sich teils in einer Ausschließlichkeit darauf fokussiert, die wieder in den Hintergrund rücken ließ, dass uns in den Sinneseindrücken auch etwas von der Kreativität unseres eigenen Ichs Unabhängiges gegeben ist.

Denken bis zu den letzten Grenzen
Karl August Meißinger beschrieb den großen Königsberger in all seiner Erhabenheit, um einen von Kant mitgeprägten Begriff zu verwenden: „In diesen Werken tritt uns ein Mann entgegen, in dem sehr wesentliche Eigenschaften des deutschen Menschen Gestalt gewonnen haben: im Denken wie im Leben schlichte Rechtlichkeit bei starkem Unabhängigkeitssinn; geniale Tiefe, Weiträumigkeit der Phantasie bei strenger Folgerichtigkeit und sachnaher Kraft des Denkens, das bis zu den letzten Grenzen vorstößt, aber sich innerhalb dieser Grenzen zuchtvoll bescheidet; völlige Abwesenheit genialischen Hochmuts und Geltungsbedürfnisses bei dem ausgesprochenen Führersinn des Mannes, der seiner Sache sicher ist; rücksichtslose Hingabe an diese Sache, voller Einsatz gegen sich und Menschlichkeit gegen andere; zähes Festhalten an der harten nordischen Muttererde, die keinen Größeren hervorgebracht hat, und dabei doch der weltweite Sinn des Germanen für alles Große, Merkwürdige und Echte der Fremde; überhaupt das Beieinander stärkster Gegensätze, die aber zu einem erstaunlich geschlossenen, einmaligen Charakter zusammengehen.“ Doch abschließend soll der große Philosoph selbst noch einmal mit einem Rat an uns zu Wort kommen, der vermutlich Allgemeingültigkeit beanspruchen darf: „Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es.

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